Warum wir unsere eigenen Bedürfnisse so oft übergehen -zwischen Dauerscanner und Selbstfürsorge
- Bianca Leitz

- vor 2 Tagen
- 5 Min. Lesezeit

Bedürfnisse sind kein Luxus, sie sind ein Teil des Navigationssystems unseres Lebens.
Und trotzdem übergehen wir unsere eigenen Bedürfnisse im Alltag erstaunlich häufig. Nicht, weil sie uns selbst egal sind. Sondern weil wir schon früh gelernt haben, dass andere wichtiger sind … der Partner, die Kinder, Kolleg:innen, Freund:innen oder die Erwartungen der Gesellschaft.
Wichtiger deshalb, weil wir sonst nicht dazugehören, nicht gemocht werden oder vielleicht sogar als Kind vernachlässigt wurden.
Doch irgendwann rebellieren unsere Gefühle – oder unser Körper.
Zwischen „Wie geht es den anderen?“ und „Ich funktioniere einfach weiter“ verlieren wir manchmal den Blick für uns selbst und unsere Bedürfnisse. Unsere innere Stimme verlangt nach Selbstfürsorge, doch wir „verstehen“ vielleicht gar nicht, was los ist.
Schließlich haben wir das doch immer schon so gemacht. Das wurde von uns erwartet.Und nun soll ich mich plötzlich anders verhalten? Etwas verändern?
Was werden die Leute denken?
Der Dauerscanner-Modus – wenn wir ständig auf andere achten
Viele Menschen leben unbewusst in einem Zustand, den ich gern den Dauerscanner-Modus nenne. Das bedeutet: Wir sind ständig damit beschäftigt zu überprüfen, wie es den anderen geht. Und das passiert meist ganz automatisch – ohne dass wir es bewusst merken.
Wir scannen ständig ab:
• Ist die Stimmung gerade angespannt?• Braucht jemand Hilfe?• Muss ich etwas ausgleichen oder klären?
Das Problem daran:
Während wir die Bedürfnisse anderer sehr genau wahrnehmen, verlieren wir oft den Kontakt zu unseren eigenen Bedürfnissen.
Irgendwann bleibt vielleicht nur noch ein diffuses Gefühl von Unzufriedenheit oder Erschöpfung. So als würde innerlich etwas nicht mehr stimmen – ohne genau sagen zu können, was.
Und plötzlich hören sich unsere Gedanken vielleicht so an:
„Keiner sieht, was ich den ganzen Tag tue!“
„Keiner sagt mal danke.“„Immer muss ich alles machen, keiner hilft mir.“„Immer bin ich der Depp, der hier alles am Laufen hält.“
Wenn Anpassung zur Gewohnheit wird
In meinem eigenen Leben gab es eine Zeit, in der ich mich stark an andere angepasst habe.
Ich habe versucht, Erwartungen zu erfüllen, Konflikte zu vermeiden und Beziehungen aufrechtzuerhalten – oft um jeden Preis und zu Lasten meiner eigenen Bedürfnisse.
Das hat ganz subtil angefangen:
Ich habe die Hobbys meines Partners übernommen.
Ich habe Ja gesagt, obwohl ich eigentlich Nein meinte.
Und ich habe versucht, es allen recht zu machen und mich so zu verhalten, wie man es von einer jungen Frau erwartet.
Nach außen wirkte ich selbstbewusst und selbstbestimmt. Innerlich habe ich jedoch nur versucht, durch Anpassung dazuzugehören und Liebe zu bekommen; und habe den inneren Konflikt einfach ausgehalten.
Der hat sich auch körperlich gezeigt: ein ständiges Ziehen, ein innerer Knoten, ein Widerwillen gegen alles, was an mich herangetragen wurde – bis zur Explosion.
Ich war ständig wütend, unzufrieden und am Meckern.
So ein Mensch wollte ich eigentlich nie sein.
Viele Menschen spüren das zunächst nur vage – vielleicht als leichten Widerwillen, vielleicht als ein Ziehen im Magen oder einen Knoten im Hals.
Erst wenn der Körper deutlicher reagiert, beginnen wir genauer hinzuschauen.
Plötzlich schlafen wir schlechter
Wir sind schneller gereizt
Der Kopf kommt abends nicht mehr zur Ruhe
Wir sind ständig im Konflikt in unserer Beziehung
Wir fühlen uns innerlich leer oder emotionslos
Oder wir fühlen uns ständig erschöpft, obwohl wir eigentlich „nur unseren Alltag leben“.
Manchmal zeigt sich der innere Konflikt auch körperlich:
Reizdarm
Ständige Nackenschmerzen
Migräne
Augenzucken.
All das können Signale sein, mit denen dein Körper dir sagt:
Hey, mir geht es nicht gut. Schau mal genauer hin.
Unser Körper versucht uns oft schon länger etwas mitzuteilen – wir haben nur gelernt, nicht hinzuhören.
Und nein: Er hört nicht einfach irgendwann auf damit.
Wenn wir seine Warnzeichen dauerhaft übergehen, werden die Signale meist deutlicher.
Aus dauerhaftem Stress können dann ernstere Folgen entstehen: Burnout, Depressionen, Bandscheibenprobleme oder immer wiederkehrende Migräneanfälle.
Warum unsere Bedürfnisse so wichtig sind
Der Psychologe Abraham Maslow beschrieb bereits in den 1940er Jahren, dass Menschen grundlegende Bedürfnisse haben.
Dazu gehören unter anderem:
körperliche Grundbedürfnisse wie Schlaf und Erholung
Sicherheit und Stabilität• Zugehörigkeit und Bindung
Anerkennung und Selbstwert
persönliche Entwicklung
Wenn grundlegende Bedürfnisse dauerhaft übergangen werden, entsteht früher oder später ein Ungleichgewicht.
Das bedeutet nicht, dass wir immer sofort auf jedes Bedürfnis reagieren müssen. Aber es bedeutet, dass wir lernen dürfen, unsere inneren Signale überhaupt wieder wahrzunehmen.
Gerade die Bedürfnisse nach Sicherheit, Stabilität, Zugehörigkeit und Bindung lassen uns in solchen Situationen oft einfrieren.
Sich den eigenen Bedürfnissen zuzuwenden bedeutet im ersten Schritt, die Aufmerksamkeit von den anderen wegzunehmen und wieder auf sich selbst zu richten.
Das kann zu Konflikten führen – genau zu denen, die wir so lange vermieden haben. Meist aus Angst. Sich dieser Angst zu stellen, ist einer der ersten Schritte, um den Mut zu entwickeln, für sich selbst einzustehen.
Oft braucht es eine Krise, damit wir uns wirklich trauen hinzuschauen.
Solche Situationen sind unangenehm – können aber auch eine Einladung sein, genauer hinzusehen.
Denn Krisen zeigen uns oft sehr deutlich, dass etwas im eigenen Leben nicht mehr im Gleichgewicht ist.
Der Weg zurück zu den eigenen Bedürfnissen und mehr Selbstfürsorge
Der erste Schritt besteht oft nicht darin, sofort alles zu verändern. Der erste Schritt ist: wahrnehmen.
Sich selbst wieder Fragen zu stellen wie:
Wie geht es mir gerade wirklich?
Was brauche ich in diesem Moment?
Wo gehe ich vielleicht immer wieder über meine Grenzen?
Manchmal reichen schon kleine Momente des Innehaltens.
Ein paar Minuten Ruhe.
Ein bewusster Atemzug.
Ein kurzer Check-in mit sich selbst.
Auch das ist bereits Selbstfürsorge.
Eine bewusste Achtsamkeitsatmung kann ein Moment von Selbstwirksamkeit sein.
Falls du zur Perfektion neigst, sei liebevoll mit dir.
Frag dich:
Wie würdest du deiner besten Freundin in deiner Situation begegnen – und was würdest du ihr raten?
Es geht darum, dich selbst wieder ernst zu nehmen und einen liebevollen Umgang mit dir zu finden.
Vielleicht kennst du Situationen, in denen du dich stark an andere anpasst oder deine eigenen Bedürfnisse zurückstellst. Dann kann es hilfreich sein, dir eine einfache Frage zu stellen:
Wo in meinem Alltag übergehe ich mich selbst – vielleicht ohne es zu merken?
Allein diese Frage kann der Beginn einer Veränderung sein.
Denn Bedürfnisse sind kein Luxus.
Sie sind ein wichtiger Teil davon, gesund, stabil und im Einklang mit sich selbst zu leben.
Und manchmal hilft es, diesen Weg nicht allein gehen zu müssen. In meiner Arbeit begleite ich Menschen dabei, wieder Zugang zu ihren eigenen Bedürfnissen zu finden, alte Muster zu erkennen und neue, gesündere Wege im Umgang mit sich selbst zu entwickeln.
Wenn du mehr dazu erfahren möchtest, dann höre unbedingt unsere neue Folge von Butter bei die Fische-Klarheit und Inspiration für Frauen.
Du möchtest deine Bedürfnisse mehr erkennen und Ihnen folgen? Dann schreibe mir unter "Anfrage stellen" auf: https://www.biancaleitz.de/ In einem kostenlosem Erstgespräch schauen wir, ob und wie ich dir helfen kann.
Pass auf dich auf. Du bist wie ein Krug mit Wasser. Du kannst nur ein Glas mit dem Wasser füllen, wenn welches im Krug ist. Achte also drauf, dass immer genug Wasser, auch für dich, im Krug ist.


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