Entscheidungen treffen ohne Angst – wie Stress, Vertrauen und mentale Gesundheit zusammenhängen
- Bianca Leitz

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Entscheidungen im Alltag: Warum sie uns mehr stressen, als wir denken
Manche Entscheidungen sind weitreichend, andere nicht so. Entscheidungen treffen ohne Angst bedeutet nicht, dass alles leicht ist – sondern dass wir lernen, mit Stress, Unsicherheit und Verantwortung bewusst umzugehen.
Was uns an Entscheidungen stresst, ist die Bedeutung, die wir ihnen geben. Dabei treffen wir jeden Tag unendlich viele Entscheidungen – von „Was ziehe ich an?“ bis „Wann gehe ich ins Bett?“.
Die meisten davon laufen ganz automatisch ab. Unser Unterbewusstsein übernimmt sie über Gewohnheiten, Routinen und Bedürfnisbefriedigung.
Entscheidungen treffen ohne Angst: Wenn Entscheidungen lebensverändernd erscheinen
Was aber, wenn Entscheidungen anstehen, die sich anfühlen, als würden sie das ganze Leben verändern?
Vor genau so einer Entscheidung stehen wir gerade zu Hause. Also eigentlich mein Sohn. Ich bin dabei eher schmückendes Beiwerk. Er macht gerade seinen Schulabschluss.
Der elterliche Druck: Bestimmt eine Entscheidung wirklich den ganzen Lebensweg?
Wir Eltern glauben gern, dass genau hier sich alle Weichen für ein gutes oder weniger gutes Leben stellen. Dass diese eine Entscheidung darüber bestimmt, wie leicht oder schwer das weitere Leben wird.
Doch ist das so?
Oder ist die Angst vor der falschen Entscheidung am Ende größer als ihre tatsächliche Bedeutung? Ist eine „falsche“ Entscheidung so schwerwiegend, dass sie das ganze weitere Leben „versaut“?
Gibt es falsche Entscheidungen oder nur unterschiedliche Wege?
Ich glaube: Nein.
Es gibt keine falschen Entscheidungen. Es gibt Entscheidungen, die sich leichter anfühlen – und solche, die uns herausfordern. Beide bringen uns weiter.Nicht an denselben Ort, aber in unserer Entwicklung. Beides ist eine Reise.
Entscheidungen bewerten: Wie unsere Haltung über Entwicklung entscheidet
Am Ende liegt es oft im Auge des Betrachters. Oder genauer gesagt: in der Bewertung unserer eigenen Entscheidung.
Ich bin zum Beispiel nicht den geraden Weg gegangen – und werde ihn vermutlich auch weiterhin nicht gehen. Mit einem eher schlechten Abi (3, …) und einem abgebrochenen Studium hätte man sich fragen können, was aus mir wohl noch werden soll.
Eigene Erfahrungen: Umwege, Abbrüche und mentale Stärke
In der Zeit der Abiturprüfung habe ich gelernt, dass „Mut zur Lücke“ weniger mit Mut zu tun hatte als mit falsch gesetzten Prioritäten. Und dass Entscheidungen – oder eben Nicht-Entscheidungen – uns irgendwann einholen.
Durch das abgebrochene Studium habe ich gelernt, dass ich einen Rahmen brauche, in dem ich mich sicher fühle. Nicht jedes System passt zu jedem Menschen– und ein Universitätsstudium war für mich einfach nicht der richtige Ort.
Ich durfte mich allein aus dieser Situation befreien. Und heute kann ich sagen: Als ich mittendrin steckte, ging es mir wirklich nicht gut.
Persönliche Entwicklung: Rückblick ohne Reue
Heute bin ich stolz auf mich.
Und ja – ich hätte einiges anders machen können. Vielleicht wäre manches weniger schmerzvoll gewesen, vielleicht hätte ich mehr Geld verdient, vielleicht wäre ich woanders zu Hause. Und dennoch kann ich sagen: Jede meiner Entscheidungen hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.
Entscheidungen entstehen nicht im luftleeren Raum
Viele Entscheidungen habe ich nicht aus mir selbst heraus getroffen. Sie entstanden durch Erwartungen, Rollenbilder, aus äußeren Möglichkeiten oder aus einer Vorstellung von „richtig“.
Heute könnte es sich anfühlen wie: „Ich habe nichts selbst entschieden …“
Und doch stimmt auch das nicht ganz. Selbst wenn ich nur durch Nicht-Entscheidungen dort gelandet wäre, wo ich heute stehe – dann wären es meine Nicht-Entscheidungen gewesen. Und damit am Ende doch: meine Entscheidungen.
Bewusste Entscheidungen: Die Krise als Wendepunkt
Ich würde keine meiner Entscheidungen zurücknehmen. Und doch kam vor vier Jahren die Krise, die mich gezwungen hat, neue Entscheidungen zu treffen – dieses Mal ganz bewusst.
Ein wundervolles Zitat hierzu:
Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es aber vorwärts. (Soren Kierkegaard)
Das Zitat hat mir geholfen, eben genau das zu erkennen. Das war nochmal schwerer. Aber ich habe gelernt, für mich einzustehen. Ich durfte verstehen, dass Entscheidungen jederzeit wieder veränderbar sind.Dass jede Entscheidung ein Lernfeld bietet – und damit ein Gewinn für meine Entwicklung.
Von Angst zu Vertrauen: Entscheidungen als Teil mentaler Gesundheit
Aus der Angst vor Veränderung wurde nach und nach Mut. Und daraus Neugier und Freude, Neues auszuprobieren – im Vertrauen und in dem neu erlernten Wissen, dass mir eigentlich nichts passieren kann. Bis hierhin hat mich mein Leben jedenfalls getragen.
Ohne Angst eröffnen sich neue Horizonte. Deshalb bin ich heute entspannt im Blick auf meinen Sohn. Und manchmal darf ich mich selbst noch einmal daran erinnern. Denn am Ende ist es genau das, was hier trägt: Vertrauen.
Vertrauen entwickeln: Warum Entscheidungen Selbstwirksamkeit brauchen
Ich vertraue darauf, dass es gut werden wird. Nicht, weil immer alles leicht war – sondern weil es das eben nicht war und ich es trotzdem geschafft habe. Und weil es mir heute gut geht. Nicht zufällig, sondern gewollt. Auch das war eine Entscheidung.
Nicht-Entscheidungen sind auch Entscheidungen
Übrigens: Sich nicht zu entscheiden ist auch eine Entscheidung.Oft eine gegen dich – weil dann andere entscheiden. Nicht aus böser Absicht, sondern aus ihrer eigenen Perspektive.
Vielleicht ist genau das Grund genug, das eigene Leben bewusster in die Hand zu nehmen.
Auf jeden Fall war es eine gute Entscheidung von dir, bis hierhin zu lesen.

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